Das ist Greta. Greta ist ein ganz normales Mädchen und Greta hieß schon Greta, lange bevor ihr Name gleichermaßen zum Synonym für Gut und für Böse wurde. Eigentlich mag Greta ihren Namen aber in letzter Zeit wird sie immer mal mitleidig belächelt oder auch mal ausgelacht.

Greta hat auch schon mal freitags die Schule geschwänzt um auf so eine Demo zu gehen, über die alle sprechen. Sie hat in den Nachrichten von riesigen Demos weltweit gehört, in den Zeitungen davon gelesen und natürlich ist das Internet voll von Ergüssen der Befürworter und der Gegner. Und immer und überall heißt es nur Greta, Greta, Greta… Das nervt sie. Wenn man nun so hört und liest, was diese andere Greta alles ausgelöst haben soll und dann hört und liest, was die anderen, die Gegner, Leugner oder wie auch immer sie genannt werden, so von sich geben, wird es einem schon etwas schwummerig im Kopf. Greta versteht nicht alles, kennt nicht alle Zusammenhänge und mischt im Kopf schon mal die echten Forderungen mit den Meinungen der anderen. Das macht nichts, das machen viele, wahrscheinlich die meisten so und jeder bildet sich seine eigene Wahrheit.

Greta hat einen kleinen Bruder, eine Mutter und einen Vater und eigentlich geht es ihnen nicht schlecht. Blöd ist nur, dass der Papa die ganze Woche mit dem LKW unterwegs ist und nur an den Wochenenden zu Hause ist. Blöd ist auch, dass die Mama alte Leute pflegt und das eben auch nachts und an den Wochenenden machen muss. Na ja und kleine Brüder sind ja sowieso blöd. Greta ist nicht schlecht in der Schule und fühlt sich auch ein klein wenig verantwortlich für ihre Umwelt. Sie möchte ihren Beitrag dafür leisten, dass auch künftige Generationen noch eine schöne Welt vorfinden. Greta tut alles, was ihrer Meinung nach nötig dafür ist. Nun wird aber auch ihre Meinung von allen Seiten beeinflusst und es wird immer schwerer, das wirklich Richtige zu erkennen.

Greta hat gehört, dass Dieselautos ganz schlecht für die Umwelt sind und sie weiß auch, dass der Laster von ihrem Papa mit Diesel fährt. Also fragt sie ihn beim Frühstück: „Papa, warum fährst du denn immer noch mit diesem Luftvepester durch die Gegend?“. Ihr Papa antwortet: „Ich habe leider nichts anderes gelernt und ich muss Geld verdienen um unsere Miete, unser Essen, unsere Kleidung und noch viele andere Dinge zu bezahlen. Um was Neues zu lernen fühle ich mich schon etwas zu alt und mit einem anderen Job, den ich nicht gelernt habe, würde ich weniger verdienen.“ Greta versteht das, obwohl sie damit nicht so ganz zufrieden ist.

Auch ihre Mama fährt noch immer mit dem uralten kleinen Flitzer zur Arbeit, den es schon gibt, seit Greta denken kann. Jeder weiß doch, dass die öffentlichen Verkehrsmittel viel umweltfreundlicher sind. Also fragt sie: „Mama, warum fährst du eigentlich nicht mit dem Bus zur Arbeit? Das wäre doch viel besser!“ Ihre Mutter meint: „Mit dem Bus wäre ich fast dreimal so lange unterwegs wie mit dem Auto, zum Nachtdienst müsste ich noch umsteigen und morgens fast eine Stunde warten. Ich bin jetzt schon viel zu selten für euch da und es würde noch viel schlimmer werden. Eine Arbeit in der Nähe finde ich nicht und meinen jetzigen Job mache ich gerne, auch wenn er hart ist.“ Auch das sieht Greta ein und nimmt sich vor, später einen Beruf zu lernen, den man überall machen kann, ohne umherfahren zu müssen.

Greta trennt schon immer den Müll, ihre Eltern machen das auch und den kleinen Bruder bekommt sie auch noch dahin. Müll trennen ist super, fast alles kann man wieder verwenden, recyceln und tolle neue Sachen draus machen. Das war ihre feste Meinung, so hat sie das von ihren Eltern und ihren Lehrern gelernt und das ist auch überhaupt nicht schlimm. Neulich hat sie dann einen Bericht im Fernsehen gesehen, über Wale mit Tonnen von Plastik im Bauch, über ganze Inseln aus Plastikmüll mitten im Meer und riesige Müllberge, aus denen arme Menschen Brauchbares sammeln. Selbst Schweine haben sich ihr Futter aus diesen Müllbergen gesammelt. Greta versteht nicht, wie der ganze Müll dorthin gelangt, wenn doch alle trennen und ganz viel wieder verwendet werden kann. Ihre Eltern können ihr das auch nicht so genau erklären, also beschließt sie, ab sofort den Müll zu vermeiden. Was nicht vorhanden ist, muss auch nicht getrennt und recycelt werden.

Neulich war Greta mit ihrer Mama zum Einkaufen in der Stadt. Sie sind dort mit dem Bus hingefahren, was Greta super fand. Später war es dann ganz schön schwierig, die ganzen Sachen mit dem Bus wieder nach Hause zu bekommen. Beim Einkaufen wolle Greta auch gleich ihren neuen Vorsatz in die Tat umsetzen und so wenig Müll wie möglich mitzunehmen. Aber in so einem Supermarkt ist das wirklich nicht einfach. Klar, man kann Obst und Gemüse schon teilweise unverpackt kaufen oder in die eigenen Behälter packen, aber dann hört es schon fast wieder auf. Unter anderem gab es frische Erdbeeren, die total lecker aussahen. Leider waren die in so einer Plastikschale verpackt und Greta konnte ihre Mama überzeugen, dass man auch ohne Erdbeeren auskäme. Viel später fragte sich Grata dann noch, wo eigentlich im Spätherbst frische Erdbeeren herkommen. Sie beschloss, dieser Frage beim nächsten Einkauf nachzugehen. Abends sollte es Nudeln mit Tomatensoße geben, also wurde Hackfleisch benötigt. Das gab es leider nur verpackt, aber die Mama hat wenigstens BIO-Hackfleisch gekauft. Greta hielt das für einen guten Kompromiss. Von ihrer Oma wusste Greta, dass es auch frisches Hackfleisch ohne Plastik drum herum beim Fleischer gibt, es dort aber etwas teurer ist. Sie wusste auch, dass ihre Familie etwas sparen musste, damit es ihr weiterhin gut gehen konnte. Na ja, immerhin gab es ihr Lieblingsessen. Gebraucht wurden noch Joghurt, Milch, etwas Käse und ein paar Sachen aus der Drogerie-Abteilung – alles in Plastik verpackt. Aber die Sachen gibt es halt nur so. Also wieder Müll, der getrennt wird und dann hoffentlich auch recycelt wird und nicht im Bauch von Fischen landet. Eigentlich wollten sie noch Limo und Cola kaufen aber das wollte die Mama dann doch lieber mit dem Auto machen.

Nach dem Abendessen lief im Fernsehen so eine Werbung für ein Auto, das nur mit Strom fährt und ganz leise und komplett ohne Abgase durch die Gegend düst. Greta fand das ganz toll und fragte ihre Mama, warum sie sich nicht so ein Umweltauto kaufen wollten. Die Mama, meinte, das sei viel zu teuer, die Batterien wären auch sehr umweltschädlich und der Strom für das Auto müsste ja auch irgendwo herkommen. Greta meinte, man könnte ja Solarstrom oder Windstrom benutzen. Der wird ja jetzt immer mehr produziert und wäre auch gut für die Umwelt. Ihre Mama findet, dass diese Windräder nicht in die Umwelt passen und auch den Wald zerstören würden. Mit dem Sonnenstrom kennt sie sich nicht so gut aus und es kann sich ja auch niemand aussuchen, welchen Strom er nun gerade benutzt. Greta beschloss, mit ihrem Papa am Wochenende darüber zu sprechen.

Greta schwirren noch viele Fragen im Kopf herum aber für heute soll erstmal Schluss sein. Vielleicht gibt es ja auch schon mal ein paar befriedigende, verständliche Antworten…


 

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